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Veganismus – Eine ganzheitliche Betrachtung

Veganismus – Eine ganzheitliche Betrachtung

 

Diesen Monat hat man immer wieder vom Veganuary gelesen und es wurde mit viel Werbung, dem  Ernährungstrend Vegan Aufmerksamkeit verschaffen. Vor einigen Jahren noch undenkbar, gab es in der letzten Zeit eine rasante Entwicklung, hin zu einer Tierprodukt freien Ernährung und Lebensweise. Was vielen extrem erscheinen mag, ist für andere sinnvoll. Auch ich befürworte die Beweggründe einer pflanzenbasierten oder veganen Ernährung aber möchte in diesem Beitrag auch einen ganzheitlichen Blick auf dieses kontroverse Thema werfen.

 

 

Ist eine vegane Ernährung zu extrem?

 

 

Zuerst möchte ich gerade diese Frage klären, denn natürlich hört sich die Umstellung auf eine Ernährung ohne Eier, Milchprodukte, Fleisch und co. erst einmal radikal an. Ob man das aber extrem findet, hängt von der eigenen Position ab und von den Beweggründen und den Hauptargumenten die einem motivieren, eine solche Veränderung in Erwägung zu ziehen. Jemand der jeden Tag Fleisch isst und auch sonst viele Milchprodukte und Eier konsumiert, empfindet diese Umstellung mit grosser Wahrscheinlichkeit als ziemlich extrem. Ein anderer der aber schon jahrelanger Vegetarier ist oder aus Verträglichkeitsgründen weitgehend auf Milchprodukte verzichtet, für den mag eine vegane Ernährung leicht umsetzbar erscheinen. 

 

 

Ab wann ist man Veganer? 

 

 

Eine eindeutige Definition liefert die Vegan Society of England. Sie definiert: 

 

„Veganismus ist eine Lebensweise, die versucht – soweit wie praktisch durchführbar – alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an leidensfähigen Tieren für Essen, Kleidung und andere Zwecke zu vermeiden; und in weiterer Folge die Entwicklung und Verwendung von tierfreien Alternativen zu Gunsten von Mensch, Tier und Umwelt zu fördern. In Bezug auf die Ernährung bedeutet dies den Verzicht auf alle Produkte, die zur Gänze oder teilweise von Tieren gewonnen werden.“

 

Diese Definition zeigt Veganismus nicht nur als Ernährungsweise, sondern als umfassenden Lebensstil. Was ist nun aber mit denen, die sich vegan ernähren aber die Lederhandtasche der Grossmutter tragen? Ich persönlich bin kein Fan von Schwarz-Weiss Denken. Meine Devise lautet immer: Inspirieren statt Missionieren. Wenn man sich selbst Platz für Graustufen gewährt, können Veränderungen nachhaltiger werden. Der Weg hin zu einem Ziel ist schliesslich immer ein Prozess. Ich selbst rede deshalb auch gerne von einer pflanzenbasierten Ernährung. Diese Bezeichnung lässt Platz für Alle, die sich bewusst auf der Basis von Pflanzen ernähren möchten und auf dem Weg dort hin sind. Verbote und Tabus oder ganz eindeutige Regeln gibt es bei diesem Begriff aber keine. Definiert man den Begriff Veganer nur für die, die ihren gesamten Lebensstil und Ernährung ausnahmslos auf die oben präsentierte Definition ausrichten, entsteht eine entweder oder Situation. Entweder du bist Veganer oder du bist eben keiner. Aus meiner Sicht ist aber jeder Schritt, hin zu einem gesunden und bewussten Lebensstil, ein guter Schritt. Deshalb möchte ich hier nochmals einen eigenen Definitionsversuch für Leute die ein ganzheitliches, pflanzenbasiertes Leben anstreben vagen: 

 

„Eine ganzheitliche und pflanzenbasierte Lebensweise versucht – soweit wie individuell und persönlich, auf den Moment bezogen, praktisch durchführbar – den Bedarf an Materialien und Nahrungsmitteln zu einem möglichst hohen Anteil aus pflanzlichen und im besten Fall nachhaltig produzierten Rohstoffen zu decken. Dies kann aus diversen Motivationen und Motivationskombinationen heraus geschehen.“

 

 

 

 

 

 

 

Was spricht für eine vegane oder pflanzenbasierte Ernährung 

 

 

Ich möchte euch hier gerne eine kurze Zusammenfassung über die drei Hauptargumente geben. Diese wären die eigene Gesundheit, Tierwohl und Umweltfaktoren.

 

 

Weshalb ist eine pflanzenbasierte Ernährung gesund?

 

 

Es gibt unterdessen viele seriöse Studien, die belegen, dass tierische Produkte weder lebensnotwendig noch besonders gesund sind. Eine abwechslungsreiche pflanzenbasierte Ernährung bietet im Vergleich sogar einige Vorteile. Sie hat allgemein eine tiefere Kaloriendichte und ist dadurch bei Übergewicht eine sehr effektive Methode, um kurz- und noch viel wichtiger –  langfristig an Gewicht zu verlieren.

Die Fettsäurenverteilung ist besser, in Nahrungsmitteln pflanzlichen Ursprungs sind weniger gesättigte Fettsäuren enthalten. Ausserdem enthalten sie kein Cholesterin dafür mehr Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien. Diese Ernährungsweise kann also das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen mindern und wirkt sich positiv auf den Blutzuckerspiegel aus und kann so eine Diabetes mellitus-Erkrankung verhindern oder den Verlauf begünstigen.

Durch die erhöhte Ballaststoffzufuhr verbessert sich die Verdauung und Darmgesundheit. Die günstige Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen, gesunden Fettsäuren und die entgiftende Wirkung der Antioxidantien können zu einem Leistungs- und Energieanstieg führen.

Alles in allem wird das Wohlbefinden also gesteigert!

 

 

 

 

 

 

Veganismus und Tierwohl

 

 

Veganismus hinterfragt die Einteilung in Nutztiere und andere Tiere. Die Entscheidung, dass das Leben einer Milchkuh weniger geachtet wird, als das eines Hundes, den man als geliebtes Haustier hält, soll kritisch überdenkt werden. Denn sobald ein Tier als Nutztier gehalten wird, kommt die Profit-Komponente mit ins Spiel, welche sich in vielen Fällen drastisch auf das Tierwohl auswirken kann. Damit genügend Gewinn entsteht und der Bedarf gedeckt werden kann, ist die Produktion auf Effizienz ausgerichtet. Das hat die Folge, dass Nutztiere im Durchschnitt nur 5% der natürlichen Lebenserwartung erreichen und grösstenteils in Massentierhaltung leben. In der Schweiz werden jedes Jahr 55 Mio. Tiere geschlachtet. 

 

 

 

 

 

 

Was hat der Konsum von tierischen Produkten mit der Umwelt zu tun? 

 

 

Laut der Agrarorganisation der UNO verursacht die Nutztier­industrie mehr Treibhausgase als der gesamte globale Verkehr, also alle Autos, LKWs, Schiffe und Flugzeuge zusammen. Zum einen liegt das daran, dass Nutztiere enorme Mengen an Futter verschlingen. Für die Herstellung dieser Futtermittel werden riesige Flächen gerodet und bewirtschaftet. Was aber noch viel mehr zu Buche schlägt, ist das Methan, das in den Mägen von Wiederkäuern produziert wird. Dieses Treibhausgas ist 23-Mal so klimawirksam wie CO2. Doch nicht nur auf den Klimawandel hat die exzessive Nutztierhaltung einen Einfluss. Natürlich werden als Folge der gross angelegten Monokulturen und Weideflächen sensible Ökosysteme gefährdet und verschmutzt. 

 

 

 

 

 

 

 

Mein ganzheitliches Fazit

 

 

Wie schon erwähnt, möchte ich keine lineare Grenze zwischen Veganer und dem Rest ziehen. 

Für mich als ganzheitlich denkender Mensch ist es ganz wichtig, dass jeder selbst sich immer wieder fragen muss, was ihm gut tut und warum das so ist, denn nur so, kann ein allumfassendes Gesundheitsempfinden in einem entstehen. Das gilt auch für jede Ernährungsumstellung. 

Ein weiterer Aspekt, den man im Auge behalten muss, ist die Achtsamkeit für das was einem umgibt und das Bewusstsein, dass alles miteinander verbunden ist. Meine Handlungen haben Auswirkungen auf die Welt in der ich lebe und die Lebewesen die mich umgeben. 

Zweifelsohne ist eine Umstellung auf vegan auch eine Änderung, welche immer einen gewissen sozialen Bereich streift und einem in sichtbare und unsichtbare Konflikte bringt. Akzeptanz und Möglichkeiten werden zwar im allgemeinen immer offener und vielfältiger. Doch noch immer gibt es Bereiche in denen eine rein vegane Option nicht vorhanden ist, sei es der Kuchen am 70 Geburtstag der Grosstante, das Firmenweihnachtsessen oder in der Schweiz auch einfach mal die Einladung von Freunden zum Fondue oder Raclette. Verzicht, persönliche Werte, die eigne Haltung, ethische Prinzipien und soziale Faktoren vermischen sich hier und ergeben eine Art zähen, undurchsichtigen Konflikt. Wie die Entscheidung ausfällt, ob man darauf besteht, das der Gastgeber auch eine vegane Option bereit hält, ob man den Kuchen selbst mitbringt, ob man einfach solche Anlässe meidet oder ob man pflanzenbasiert flexibel bleibt und für spezielle Gegebenheiten Ausnahmen macht, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Das wichtigste für mich ist, dass man einen Umgang mit diesen Konflikten findet und zwar ohne schlechtes Gewissen, Bedauern, Unmut, Enttäuschung und andere negativen Emotionen, denn genau das wird sonst der Punkt, der einem auch trotz gesunder Ernährung auf Dauer krank machen kann.

 

Falls ihr Fragen zum Thema habt, stehe ich natürlich gerne zur Verfügung. Bis dahin wünsche ich einen schönen Rest-Veganuary.

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